• Viele Grüße aus meinem neuen Zuhause...

    ...der Bibliothek! Das Semesterende naht viel schneller als mir lieb ist und damit auch die Abgabetermine für unsere schriftlichen Arbeiten. Ein Essay hier, eine Zusammenfassung dort, ein Paper. Am 1. Dezember muss ich auch mein Masterarbeitsthema einreichen (spannend!). Mittlerweile habe ich eine ziemlich genaue Vorstellung von dem, was ich machen möchte, feile jedoch noch immer an den Details. :) Einen Job habe ich auch (ich habe meinen alten Job als Hilfskraft wieder... :) ) und Paris wartet auch immer wieder darauf, von mir entdeckt zu werden.

    Das Wochenende startete unspektakulär: Am Freitag habe ich mich um - ja, wirklich - 20.30 Uhr ins Bett begeben, weil ich in der letzten Woche wieder krank geworden bin und Schlaf bitter nötig hatte. Nach 12 Stunden in Lummerland sah die Welt aber schon wieder anders aus und ich habe anfefangen, zu arbeiten.

    Mein Highlight des Wochenendes war der Samstagabend: Ich habe mich mit einigen Mitstudenten auf einen nächtlichen Streifzug durch die Stadt begeben. Gelandet sind wir in einer Kneipe, in der ich zwar schon einmal war, die aber das Potential hat, zu meiner Pariser Stammkneipe zu werden und ich wurde auch dieses Mal nicht enttäuscht: An der Bar bediente eine Holländerin, die bald merkte, dass wir Deutsche sind. Sie fragte uns daraufhin ob wir auch zur Geburtstagsparty gehen würden... Mein Begleiter und ich sahen uns nur fragend an: "Geburtstag? Party? Wer? Wo?". Die Barkeeperin erklärte uns dann, dass diese Geburtstagspartys ein Pariser Phänomen sind: Eigentlich hat niemand Geburtstag und diese Feiern sind auch nicht so privat wie es die Bezeichnung vermuten lässt. Allein die Tatsache, dass man ein Passwort braucht um Einlass gewährt zu bekommen, suggeriert eine gewisse Vertraulichkeit (Kennt man aber auch von anderen Städten... ich erinnere an die Berliner Villa-Partys). Diese Geburtstagsparty stand ganz im Zeichen des Berliner Mauerfalls (ein sehr großes Thema hier in Frankreich, ich war gerührt...) und fand auf einem ehemaligen Bahnhofsgelände statt. Leider hat so viele Leute Lust, Geburtstag zu feiern, dass selbst uns - Deutsche, Berliner (na gut, war gemogelt) - der Einlass verwehrt wurde. Was tun? Nach Warten war uns nicht, wir wollten aber auch nicht unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren. Also haben wir einen Hintereingang gesucht. Der entpuppte sich als ca. 2m hohe Mauer und gerade als wir uns überlegten ob eine 2m hohe Mauer für uns Deutsche (!) ein Hindernis darstellen sollte um bei einer Feier im Zeichen des Mauerfalls (!) mitzufeiern, sahen wir ein paar Pariser Polizisten die die Mauer sehr genau inspizierten. Und es kamen noch mehr: Von der anderen Seite, über die Mauer geklettert, mit drei eingefangenen Eindringlingen im Schlepptau. Natürlich hatten wir nicht vor, über die Mauer zu klettern - niemals - aber spätestens dann war der Plan tot. Gelohnt hat sich die Aktion aber trotzdem: Auf der Hinfahrt haben meine Mitbewohner und ich etwas frustriert festgestellt, wie wenig Franzosen wir (außerhalb der Uni) bisher kennen gelernt haben. In unserem Wohnheim wohnen kaum Franzosen, man bleibt also zu oft unter sich. Aber an diesem Abend haben wir uns dann noch mit den drei von der Polizei verscheuchten Franzosen unterhalten, was wirklich witzig war. Nach einer halben Stunde haben wir uns gemeinsam Richtung Metro bewegt um den letzten Zug nach Hause zu erwischen (Paris ist ja nicht Berlin).

    Den Sonntag habe ich wieder... Überraschung... in der Bibliothek verbracht. Größtenteils zumindest. Abends hat mich meine schweizerische Mitbewohnerin angestiftet, mit ihr und einigen anderen Schweizern ins Kino zu gehen. In den letzten Film mit Heath Ledger (RIP). Leider hatten unheimlich viele Leute genau den gleichen Plan (ein wiederkehrendes Motiv des Wochenendes), so dass wir keine Karten mehr bekommen haben. So waren wir stattdessen etwas trinken. In der Nähe der Rue Muffetard, im 5. Arrondissement. Hier gibt es auch viele schöne Bars und Kneipen (auch wenn ich dieses Viertel schon wesentlich touristischer finde als anderswo) und an diesem Abend auch einen Antiquitäten- und Bücherflohmarkt (mein Paradies...). Der Abend war also auch ohne Kino wirklich schön.

    Am Montag haben wir dann noch auf meinem Flur eine Weinprobe veranstaltet, die erste von vielen, wenn es nach uns geht. In unserer Küche haben wir nämlich ein Buch gefunden, über Frankreich und seine Weine. Unser Plan: Uns einmal quer durch Frankreich probieren. Angefangen haben wir gestern mit "A" wie Alsace (Elsass)... Sylvaner, Riesling, Gewürztraminer. Trocken, halbtrocken, lieblich. Dazu Müsterkäse und Baguette, wie es sich gehört. Ich muss schon sagen, ich habe ja bevor ich nach Paris gekommen bin, nicht viel mit Wein anfangen können. Aber ich muss gestehen, diese Rebsäfte haben mich eines Besseren belehrt. Bereits in der nächsten Woche geht es weiter. Mit "B" für Bordeaux... ;)

  • Kochkurse in der Metro...

    Um Leute wieder an den Herd zu kriegen, haben sich ein paar Sterneköche aus der Stadt was Besonderes einfallen lassen, aber lest selbst: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,659058,00.html#ref=rss

  • Bin gerade dabei...

    ...die Surveillance in der Bibliothek zu machen. Die Aufgabe des surveillant besteht darin, Personen die die Bibliothek unseres Wohnheims betreten wollen, nach ihrer Nutzerkarte zu fragen (Leute, die keine Karte haben müssen freundlich aber bestimmt gebeten werden, ein anderes Mal wieder zu kommen), sie zu bitten ihre Taschen nicht in die Räume mitzunehmen, ihre Fragen zu beantworten und Bücher zurückzunehmen, die sie abgeben wollen. Das macht sogar Spaß, man kann nebenbei arbeiten und es ist ein toller Weg um die Miete zu seken! :)

  • (Kulinarisches) Update

    Mein letzter, längerer Eintag ist Wochen alt, wird also höchste Zeit das zu ändern...

    Mittlerweile ist hier der Alltag eingekehrt. Morgens aufstehen, frühstücken (weltbestes Schokomüsli), mit der Metro zur Uni, Kurse besuchen, bei einem Bäcker oder im RestoU etwas Essbares suchen (beim Bäcker oft ein Baguette, im RestoU... nun ja, man erkennt es nicht immer), dann wieder Kurse, Bibliothek, wieder nach Hause und am nächsten Tag beginnt das Spiel von vorne. Klingt langweilig? Stimmt. Wäre es auch, wenn ich nicht ich und Paris nicht Paris wäre... :) Hier meine Highlights in der Kurzfassung, die überdurchschnittlich oft etwas mit Essen zu tun haben - woran das wohl liegen mag!? ;)

    An einem Mittwoch abend war ich feiern (ja, das geht). Zum ersten Mal in Paris, in einem Club ganz in der Nähe der Champs-Élysées. Der Club ist nichts besonderes, die Party war aber für Mädels kostenlos und meine Mitbewohnerin, zwei Freundinnen von ihr und ich haben sogar leckeres zu Essen bekommen (Hühnerschenkel mit Rosmarinkartoffeln und Salat), als Stärkung für die Ausflüge auf die Tanzfläche. Tanzen hat mir gefehlt...

    Am Freitag abend war ich auch noch mit ein paar Leuten hier aus der Cité in unserer Mensa essen (Reis mit Rindfleisch in einer Rahmsoße, dazu Gemüse und unheimlich süß und künstlich schmeckende Creme Caramel als Nachtisch). Mit von der Partie: Eine russische Studentin, die an der selben Universität wie ich studiert, ein Student, der von der Elfenbeinküste nach Paris gekommen ist um hier Umweltmanagement zu studieren und ein französischer Doktorand, der seine Dissertation über Schamanismus in Russland schreibt. Leute also, mit denen ich (mit Ausnahme der Russin) kaum etwas gemeinsam habe - Wer weiß schon, dass es in Russland eine urbanisierte Form des Schamanismus gibt? Ich nicht. Aber gerade das machte den Abend unheimlich interessant, auch wenn der Schamanismus und ich wahrscheinlich trotzdem keine Freunde werden.

    In der folgenden Woche war auch einiges los: Ein Mitbewohner von mir hatte beschlossen, zu seinem Geburtstag eine Küchenparty zu veranstalten. Mit der weltbesten Kürbissuppe, die er und seine Freundin auf recht abenteurliche Weise (Wohnheim halt) gekocht hatten. An dem Abend habe ich gelernt, welchen Unterschied es machen kann, wenn die Kürbissuppe nicht nur aus gekochtem und püriertem Kürbis besteht, sondern auch ein paar Paprikastücke hinzugegeben werden... lecker.

    Am Mittwoch abend habe ich mich mit ein paar Leuten in der Nähe der Uni getroffen um dort in ein Bar zu gehen, die bei Studenten meiner Gastuni sehr beliebt ist. Bevor wir aber uns setzen konnten eröffnete unser der Wirt, dass er kein Bier mehr habe. Genauer gesagt, fehlte es ihm nicht am Gerstensaft sondern am CO2 um diesen auch zapfen zu können. Da eine Bar ohne Bier auch in Paris so viel wert ist wie ein manövrierunfähiges Segelboot in einem Orkan, wurde die Bar für den Abend geschlossen... und wir mussten uns eine neue Bleibe suchen. Nicht weit entfernt von dieser Bar, in der Nähe der Metro-Haltestelle Mabillion, haben wir eine andere gefunden, die außerdem über einen sehr schönen Gewölbekeller verfügt. In dieser Ecke war ich in der letzten Zeit auch öfter: In einer Creperie um mit einer Mitbewohnerin Kaffee bzw. ein Glas trockenen französischen Cidre zu trinken und um mit meiner französischen Tandempartnerin und ihren Freunden eine italienische Steinofenpizza zu essen.

    Mein Highlight der vergangenen Wochen war aber der letzte Samstag. Eindeutig! Meine Mitbewohner und ich haben uns nämlich ein etwas dekadentes Hobby zugelegt: Sushi machen und natürlich auch essen. Und davon sehr viel! Was als Idee geboren wurde, als mein japanischer Mitbewohner sein Zimmer auf unserem Flur bezogen hat, wurde dann auch tatsächlich umgesetzt, und das gleich im ganz großen Stil. Gemeinsam mit dem Japaner und einer weiteren Mitbewohnerin war ich im Pariser Chinatown einkaufen um die Zutaten zu besorgen: 5kg Reis (jaaaa...), Sushi-Essig, Nori-Blätter, baguettes (auch das französische Wort für "Stäbchen"), Wasabi, verschiedene Sorten japanisches Bier, japanischen und französischen Wein, Gemüse und natürlich jede Menge Fisch. Wieder im Wohnheim wurde dann das maximale Fassungsvermögen eines Reiskochers getestet (5 Tassen Reis mit ein bisschen weniger Wasser als empfohlen), Gemüse und Fisch geschnippelt und Sushi-Rollen gerollt. Ich habe das noch nie gemacht aber nach ein paar Anlaufschwierigkeiten ("Meine Hände sind ganz klebrig!" "Ja klar, du musst deine Hände ja auch anfeuchten, dann klappt das viel besser" "Aaachso...") klappte es prima und ich will es unbedingt noch mal machen! Mein schwedischer Nachbar hat sich bei der Gelegenheit als Koch entpuppt und sein Können beim Formen von Lachs-Wasabi-Nigiri unter Beweis gestellt... Insgesamt haben wir innerhalb von 4 Tagen (ja, wir haben das Ganze etwas ausgedehnt) insgesamt 3 Liter Kartoffel-Zwiebel-Mizu-Suppe, 50 Sushi-Rollen (50 Rollen x 6 Stücke = 300 Maki) und ca. 40 Nigiri verdrückt. Zu zwölft. Es war großartig! Und es hat unheimlich viel Spaß gemacht, mit (fast) allen Mitbewohnern an einem Tisch zu sitzen und zu essen/trinken...

    Gestern war ich dann noch relativ spontan mit ein paar Mitstudenten im Kino um "Le ruban blanc" (in Deutschland unter dem Titel "Das weiße Band" bekannt) zu sehen, ein Film von Michael Haneke, der dieses Jahr mit der Goldenen Palme des Filmfestivals von Cannes ausgezeichnet wurde. Verdient, wie ich finde.

    Heute abend ist wieder feiern angesagt und das in doppelter Form: es ist schließlich Halloween und irgendwie summieren sich die Geburtstage hier im Haus. Deswegen will ich noch Kuchen backen. Mal sehen was es wird, hier in unserem Pizzaofen. ;)

  • Ich bin gerade dabei...

    ...ein weiteres Treffen mit meinem Betreuer der Masterarbeit vorzubereiten. Hoffentlich findet er meinen Plan genau so gut wie ich.

    Bald gibt es wieder ein Update, Indianderinnenehrenwort.

  • Ich bin gerade dabei...

    ...meine erste Zusammenfassung für einen französischen Professor zu schreiben, auf Französisch natürlich. Ich habe bis morgen 9.00 um noch drei Seiten zu schreiben. Sollte klappen. ;)

    Viele Grüße aus der kalten Bibliothek des MHH und dem insgesamt ziemlich kalten, windigen und grauen Paris. Der Herbst ist da!

  • Eindrücke von der Nuit Blanche

    Paris - Nuit Blanche - Hotel de Ville

    Unser Startpunkt: Der Platz vor dem Pariser Rathaus, dem Hôtel de Ville.

    Paris - Nuit Blanche - Nathan Coley

    Im Parc des Buttes-Chaumont: Ein guter Ratschlag von Nathan Coley.

    Paris - Nuit Blanche - Rune Guneriussen

    Die Schreibtischlampen-Lichtinstallation von Rune Guneriussen.

    Paris - Nuit Blanche - Centre Pompidou

    Das Centre Georges Pompidou bei Nacht. Sieht übrigens immer so aus... nicht nur während der Nuit Blanche.

    Paris - Nuit Blanche - Strawinski-Brunnen

    Projektion an eine Hauswand neben dem Strawinski-Brunnen ganz in der Nähe vom Centre Georges Pompidou.

    Paris - Nuit Blanche - Marais

    Noch eine Häuserwand im Marais.

    Paris - Nuit Blanche - Notre Dame 2

    Paris - Nuit Blanche - Sylvie Fleury

    Die bunten Leuchtkristalle von Sylvie Fleury...

    Paris - Nuit Blanche - Notre Dame

    ...und die Videoleinwand im Notre Dame.

    Hoffe, ihr könnt genug erkennen. Leider war es oft zimelich düster und meine Kamera macht keine Spitzenbilder in der Dunkelheit.

  • Ich verstehe immer nur Holz!?

    Höchste Zeit für ein Update!

    Wie ihr vielleicht merkt, hat der Uni-Alltag mich schon wieder fest im Griff. Bei den Seminaren komme ich immer noch ganz gut mit, auch wenn ich hier und da über fremde Ausdrücke stolpere ("Holz"? Hat die Dozentin gerade "Holz" gesagt?!). Viel Zeit zum nachdenken hat man aber nicht: Hier eine Zusammenfassung, dort einen Text lesen, Hausarbeit hier, Masterarbeit vorbereiten dort... Die nächsten zwei Monate werden sehr stressig, soviel ist sicher. Es ist aber nicht so, als hätte man hier in Frankreich so viel mehr zu tun als in Deutschland. Ich würde sagen, der Arbeitsaufwand ist ungefähr gleich. Aber wenn man einen Text auf Französisch schreibt und dabei einen gewissen Anspruch an sich stellt, dann dauert das einfach länger. Das klingt ein bisschen nach "all work - no play"? Stimmt aber nicht! Gerade in den letzten Tagen habe ich auch viele neue, schöne Seiten an Paris entdeckt.

    Zunächst fing alles aber nicht ganz so schön an, nämlich mit einer mittlerweile schon fast obligatorischen Oktober-Mandelentzündung. Ich war also zum ersten Mal beim Arzt. Auch wenn der Arztbesuch meist keine angenehme Angelegenheit ist, so war es doch eine Erfahrung der besonderen Art. Nachdem ich mir eine Ärztin "herausgegooglet" hatte, nahm ich den Hörer ab und rief bei der Dame an. Die Terminvereinbarung klappte auch besser, als gedacht. Mir wurde nämlich gesagt, ich sollte einfach sofort vorbeikommen (wow!). Einige Minuten später stand ich dann auch schon etwas verloren in einer kunterbunt-lilafarbigen Arztpraxis und erlebte gleich einen Kulturschock im Miniaturformat. Wie, keine Sprechstundenhilfe? Hallo? Wo ist hier der Empfang? Offensichtlich gab es sowas in dieser Praxis nicht. Also klopfte ich einfach an der einzigen Tür, die nicht nach Wartezimmer oder Toilette aussah. Prompt kam auch schon eine zieliche, jugendliche Dame durch die Tür und bat mich, kurz im Wartezimmer Platz zu nehmen (some things never change). Nach wenigen Minuten hatte sie aber schon wieder Zeit für mich. Dabei stellte sich dann auch heraus, dass die freundliche Dame am Telefon auch keine Sprechstundenhilfe war, sondern die Ärztin höchstpersönlich. Keine Sprechstundenhilfe. Die Untersuchung war unspektakulär, das Beratungsgespräch war aber interessant, weil dabei mir wieder bewusst geworden ist, wieviel Beachtung der Schweinegrippe in Frankreich geschenkt wird. Nachdem meine Ärztin beschlossen hatte, dass ich eine Angina habe, erklärte sie mir genau die Symptome der Grippe A, wie der H1N1-Virus sich hier schimpft. Sie zeigte mir, wie ich meine Hände waschen muss, damit ich eine Infektion vermeide. Sie wies mich auch an, regelmäßig Fieber zu messen. Auf meine Aussage, dass ich kein Thermometer besitze, reagierte sie ungläubig. Die Schweinegrippe ist hier ein wirklich großes Thema. In den Nachrichten wird ständig darüber berichtet, Schulen werden geschlossen, in unserem Wohnheim hängen unzählige Hinweise (u.a. von zwei Leuten, die sich mit Atemschutzmasken küssen, großartig) und seit kurzem steht in unserem Eingang auch so ein tolles Gerät... wie nennt man das doch gleich? Automatischer Desinfektionsmittelspender? Hm, klingt Deutsch genug. Jedenfalls wurden mir zahlreiche Medikamente, Bettruhe und ein Themometer verordnet.

    Am Samstag fühlte ich mich aber auch schon wieder fit genug um an der Nuit Blanche teilzunehmen. Dabei handelt es sich um ein Event, das jedes Jahr in Paris und anderen französischen Städten stattfindet. Dabei gibt es in der ganzen Stadt Kunstwerke zu bestaunen (überwiegend moderne, audiovisuelle Kunst), dabei werden oft auch die Pariser Sehenswürdigkeiten kunstvoll (;)) in Szene gesetzt. Hier und da gibt es auch Konzerte oder Dokumentarfilme zu sehen. Wir - eine multinationale Truppe von Mitstudenten und ich - sind zunächst in den Parc des Buttes Chaumont gefahren, eine sehr schöne Anlage im Nordosten der Stadt. Dort haben wir die Aussicht genossen und uns eine Lichtinstallation angesehen, die aus laute angeknipsten Schreibtischlampen bestand (Rene Guneriussen - Don't leave the lights on, 2009). Nach einem Abstecher in das schöne Marais-Viertel und eine Crêperie, waren wir dann noch im Notre Dame. In der Kathedrale hatte eine Künstlerin große, bunt ausgeleuchtete Kristalle aus Plastik aufgestellt (Sylvie Fleury - Cristaux, 2001), im Kirchenschiff wurde ein Film auf eine riesige Leinwand projeziert. Ein wiklich schöner Abend!

    Gestern war ich dann noch auf unserer offiziellen Begrüßungsveranstaltung des Wohnheims. Die Direktorin hat sich vorgestellt, alle Angestellten haben sich vorgestellt, dann alle Bewohner. Hat lange gedauert, aber es war sehr lustig und interessant, zu sehen mit wem ich noch so zusammen wohne. Nach der Endlosvorstellungsrunde haben wir den Abend dann in der hauseigenen Bar ausklingen lassen, bei Wein und Quiche haben wir uns unterhalten und ich habe auch viele nette Leute kennen gelernt, die nicht direkt bei mir im Flur oder Stockwerk wohnen. Magnifique!

  • Grey's Anatomy auf Französisch...

    Als ich heute von der Uni nach Hause gekommen bin, staunte ich nicht schlecht. Mein Wohnheim hatte sich während der Stunden meiner Abwesenheit in ein Krankenhaus verwandelt: mit Krankenwagen vor der Tür, Schwestern, Ärzten...

    Paris - MHH - Filmcrew

    ...und ganz vielen Filmleuten, die das Wohnheim als Kulisse für einen Film nutzten, der bald auf dem TV-Kanal France 2 ausgestrahlt werden soll.

    "Silence, s'il vous plaît... Action!"

  • C'est la rentrée!

    "La rentrée" bedeutet auf Französisch ungefähr so viel wie "die Rückkehr" aber auch "Schulbeginn" oder "Semesterstart". Letzteres war diese Woche für mich angesagt, ich habe meine ersten richtigen Kurse an meiner Gastuni besucht. Man merkt, dass die Uni angefangen hat, nicht wahr? Meine Einträge werden seltener...

    Doch bevor ich euch von der ersten Woche berichte, hier noch ein kurzer Nachtrag zum Wochenende: Am Samstag habe ich mit einer Mitbewohnerin von mir zunächst ein leckeres Abendessen gekocht und dann eine nette Gegend im 11. Arrondissement entdeckt, nachdem uns ein Paris-erfahrener Mitbewohner einen entsprechenden Hinweis gegeben hatte. Das Tolle an diesem Viertel ist (ganz in der Nähe der Metro-Haltestelle République), dass man dort kein Vermögen zahlen muss um in einer Kneipe oder einem Cafe etwas zu trinken. Die Preise können es mit Berlin aufnehmen... fast jedenfalls. Das Publikum ist dort auch entsprechend jung, ich werde wieder kommen!

    Diese Woche dann also Uni. Am Montag um neun Uhr war zunächst ein Treffen mit meinen Mitstudenten und unseren Professoren angesagt. Mein Jahrgang besteht aus insgesamt 17 Personen, sehr überschaubar also. Darunter sind auch zahlreiche Leute, die wie ich aus einem anderen Land kommen als Frankreich. Die überwiegende Mehrheit besteht jedoch aus Franzosen, was sich hoffentlich positiv auf meine Französisch-Kenntnisse auswirken wird. Während der obligatorischen Vorstellungsrunde wurden wir Neuankömmlige des deutsch-französischen Programms auch noch mal herzlich begrüßt, sehr reizend.

    Während des Treffens habe ich auch gleich einen Tutor zugewiesen bekommen, das ist ein Professor oder eine Professorin, der/die einen bei der Suche und der Bearbeitung eines Masterarbeits-Themas unterstützt. Mir wurde ein Professor zugeteilt, mit dem ich mich bereits am kommenden Montag das erste Mal treffe um meine Vorstellungen auszudiskutieren. Der Abgabetermin für meine Masterarbeit steht auch schon fest: Am 1. Juni 2010 muss das Werk vollbracht sein, die Soutenance (meine müdliche Prüfung) findet in den Wochen danach statt. Sehr aufregend alles! In Deutschland hätte ich mir vielleicht im Januar Gedanken über das Thema meiner Abschlussarbeit gemacht und mir meine Betreuer gesucht, hier geht das alles viel schneller aber ich bin sehr froh darüber! Ich freue mich schon richtig darauf, mein Thema zu entwickeln, Bücher zu lesen, die Arbeit zu schreiben (darf glücklicherweise auf Englisch schreiben). Überhaupt freue ich mich sehr auf dieses Semester, es macht gerade unheimlich viel Spaß morgens zur Uni zu gehen! Dieses Gefühl hatte ich in den letzten Monaten etwas verloren aber jetzt fühle ich wieder diese Neugier und diesen Spaß am Lernen.

    Diese positive Einstellung braucht man hier auch um das Arbeitspensum zu bewältigen, was zweifelsohne recht anspruchsvoll ist, mehrere hundert Seiten Lesestoff pro Woche, Zusammenfassungen, Papers... und nebenbei noch ein paar Extra-Aktivitäten. Besonders großen Respekt habe ich vor einem Kurs in dem ich einmal alleine eine Sitzung leiten muss, auf Französisch selbstverständlich. Aber die findet glücklicherweise erst im Februar statt, d.h. ich kann mich gut vorbereiten. Neben unseren Kursen organisiert unser Jahrgang auch einen so genannten journée transdiciplinaire. Dieser Tag besteht aus drei Sitzungen, wovon jeweils eine Sitzung von den Studenten mit dem entsprechenden Schwerpunkt unseres Studiengangs (mein Studiengang kann mit drei verschiedenen Schwerpunkten studiert werden) organisiert wird. Einzige Vorgaben: Das Thema und dass die Studenten der jeweils anderen Studienrichtung etwas beitragen können sollten.

    Die Kurse waren bisher recht interessant - mal mehr, mal weniger. Was die Sprache angeht, so bin ich überrascht, wie gut ich mitkomme. Das meiste verstehe ich sogar (oder meine es zumindest). Allerdings ist es sehr anstrengend, zwei Stunden (zwei Zeitstunden, nicht 1,5 Stunden wie bei uns!) lang konzentriert zuzuhören, dabei mental zwischen den Sprachen zu dolmetschen und auch noch Notizen anzufertigen. Ein Franzose würde sich über meine Mitschriften wahrscheinlich köstlich amüsieren - ein buntes Misch-Masch aus Deutsch, Englisch und Französisch. Abends falle ich jedenfalls jetzt immer in einen komatösen Zustand...

    Gestern war der Schlaf besonders tief: Ich war zum ersten Mal beim Unisport. In der wahrscheinlich einzigen unterirdischen Straße von Paris - der Rue Jean et Paul Lerolle. Direkt neben dem Depot der Stadtreinigung (der Müllabfuhr halt) und der Polizei. Ein bisschen Step-Aerobic und Streching mit ca. 20 anderen Mädels meiner Uni. Die Sportstunde war wegen der Sportlehrerin besonders unterhaltsam. Sie plappert permanent Französisch und läuft zwischendurch durch die Reihen um sich abzeichnennde Haltungsschäden und Bänderrisse zu korrigieren. Irgendwann kam sie zu mir, wies mich an meine Ellebogen gerade zu halten und dann brach ein französischer Wortschwall von Anweisungen über mich herein, den ich nur teilweise verstand. Und schon war ich als Ausländerin geoutet. Von da an, nahm sie sich mir besonders an: Alle Anweisungen zuerst auf Französisch, dann auf Englisch. Top! Nun muss man aber wissen, dass Franzosen im Allgemeinen und meine Sportlehrerin im Speziellen der englischen (Aus)Sprache nicht immer mächtig sind... Sie gab die Anweisung also immer erst auf Französisch, dann auf Englisch nur mich dann danach zu fragen, ob das jetzt auch richtig war.

    Heute hatte ich bereits den letzten Kurs für diese Woche, Freitags habe ich bis jetzt frei. Ich hoffe, das bleibt so...

Footer:

Die auf diesen Webseiten sichtbaren Daten und Inhalte stammen von Privatpersonen, blog.de ist für die Inhalte dieser Webseiten nicht verantwortlich.